Wie die Republiken beabsichtigen, sich gegen die 90000-Mann-Armee der Ukraine zu verteidigen.

Как ополчение намерено обороняться от 90-тысячной группировки.

panzer brennt

„Der Donezker Kessel“

Am 20. August hat der Stellvertreter des Kommandierenden des Korps des Verteidigungsministeriums der Donezker Republik, Eduard Bassurin, auf dem Briefing die Vision des zu erwartenden ukrainischen Angriffs vorgestellt.

Alexei Sanin 28.08.2015                                    Übersetzt aus dem russischen: Thomas

Er hat das sehr anschaulich gemacht und dabei die Karte, auf der die Richtungen der konzentrischen Schläge der Streitkräfte der Ukraine (SKU) demonstriert waren, genutzt. Im Grunde wurde kaum Neues bekannt gegeben, jedoch wurden den Systembeobachtern die Maßstäbe der Vorbereitung der selbstausgerufenen Republiken zur Verteidigung und ihre taktische Linie klar.

Der Blitzkrieg

Das Schlussziel des ukrainischen Angriffs — ist Uspenka, der Kontrollpunkt an der russisch-ukrainischen Grenze auf der Trasse Ilowajsk — Amwrossijewka — Taganrog, der geradesten und kürzesten Strasse aus Russland nach Donezk. Gerade dorthin sollten, nach der Logik der Führung der Landwehr, die auf ihre Aufklärungsdaten verweist, die USK nach der erneuten Einnahme von Ilowajsk und Schachtjorsk weiter vorrücken, um damit dann auch später Donezk einzukesseln. Parallel beabsichtigt die ukrainische Armee, Lugansk zu umgeben, wobei es an einer der Flanken vorgesehen ist, auf dem winzigen Streifen der Front entlang der russischen Grenze vorzurücken, der sich bis Sewerski Donezk hinzieht. Also, und der Frontalangriff aus Richtung Mariupol auf Nowoasowsk rundet das Ganze dann ab.

Diese Pläne sehen auf den Karten mit großem Maßstab bemerkenswert aus. So kann man ganz nebenbei die Truppen vorrücken lassen auf Rostow und Belgorod — durch das Zeichnen eines hübschen Pfeiles wird sich kaum etwas ändern. Jedoch stört üblicherweise die Realität den Flug der Phantasie des Generalstabes der Ukraine sehr. Eine ganz andere Sache ist, dass es einfach keine Alternative zu diesem Plan gibt — so haben sich die Konfiguration der Front und das Verhältnis der Seiten gebildet. Die Anzahl der ukrainischen Gruppierung nimmt von Tag zu Tag zu. Sogar die täglichen Zusammenfassungen, die auf den Briefings in Donezk vorgestellt werden (und neuerdings gibt es ein solches Format auch in Lugansk), spiegeln das ganze Bild nicht immer wider. Ununterbrochen werden Verstärkungen mit der Bahn von Charkow in die Stadt Isjum gebracht, wo im vorigen Jahr — bis zur Einnahme von Slowjansk und Kramatorsk — der ukrainische Stab disloziiert war. Es ist der äußerste Punkt, zu dem man aus der Ukraine zur Linie der Front mit der Bahn etwas liefern kann. Weiter fängt die Agglomeration Slowjansk und Kramatorsk an und Züge gehen seit langem dorthin nicht mehr. Die Armee wurde vor einigen Tagen mit 65000 Menschen bewertet, jetzt sind es schon merklich mehr.

Die USK rechnen mit einem schnellen Durchbruch der Front. Das hat nichts mit militärischen Dingen zu tun, das ist eine ausschließlich politische Annahme: die Minsker Abkommen existieren nicht mal mehr auf der Höhe der propagandistischen Rhetorik. In neue diplomatische Verhandlungen eintreten will man von einer vorteilhafteren Ausgangsposition aus. Deshalb ist der Durchbruch notwendig, denn in Kiew braucht man einen gewissen militärischen Erfolg, wenn man sich überhaupt vorstellen kann, den Einfluss Moskaus auf das Geschehende zu verringern. Dazu muss man schnell dem Gegner eine unvermeidliche Niederlage zufügen, dem Westen irgendwelche «russischen Bürger» präsentieren und die neue Karte der Region vorlegen.

Anders kann man die Zusammenstellung einer solchen Armee und die intensive Vorbereitung der Operation, vergleichbar mit den Maßstäben und dem Charakter von Operationen ganzer Fronten zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs nicht rechtfertigen, das ist einfach unmöglich. Auch das ganze Übrige, so eine Gruppierung zu erhalten ist äußerst aufwendig, schon über die Infrastrukturkosten braucht man nicht zu zweifeln: die Probleme mit dem Treib- und Schmierstoff, mit der Ernährung, der Radtechnik, der Überlastung des Eisenbahnnetzes und sogar dem Defizit bei ganz gewöhnlichen Bussen, mit denen die USK manchmal die Soldaten befördert. Und die riesige stehende Masse, die nichts zu tun hat, und mobilisiert wurden, um es weich auszudrücken, nicht immer die motiviertesten Soldaten mit der Neigung, alles zu zerlegen. Unter den ukrainischen Bedingungen bedeutet das, dass ganz schnell der charakteristische Geruch von auf den Bauernhöfen requirierten Hühnern und Schweinen durch die Lande zieht. Und die Demobilisierung und der Abzug eines großen Teiles der regulären Truppen bedeuten infolge der gewissen politischen Vereinbarungen die moralische Niederlage Kiews und sind also absolut ausgeschlossen.

Die Taktik der Landwehr

Jedoch ist ein Blitzkrieg unter den jetzigen Bedingungen kaum real. Bei allen taktischen Neuerungen sind die USK zum massiven Angriff in die große Tiefe nicht bereit. Man kann sich theoretisch vorstellen, dass diese riesige Masse der Truppen mit der Unterstützung einer ungeheueren Zahl der Artillerie lokale Erfolge auf einem oder mehreren Abschnitten der Front erreichen wird. Es ist auch durchaus vorstellbar, dass in der Steppenzone die USK mit dem Einsatz von großen Gruppen mal 15-20 km vorrücken werden und sogar den einen oder anderen Ort einnehmen können, einschließlich ein Paar „laute“, damit man auf diesen Sieg stolz sein kann. Aber was dann weiter?

Die Truppen der jungen Republiken sind natürlich der ukrainischen Gruppierung in der Anzahl wesentlich unterlegen. Es ist eine unveränderliche Realität — die 40-Million- Ukraine hat nun mal immer mehr Soldaten. Dasselbe betrifft auch die Anzahl an Technik — besonders, wenn man berücksichtigt, dass sich so eine wesentliche Ressource, wie die „erbeutete Ergänzung», vollständig erschöpft hat. Dafür gab es den Streitkräften Noworossijas (SKN) den Anreiz, die Ausbildung des Personalbestandes durchzuführen. Das ewig mangelnde technische Personal in den SKN ist jetzt ausreichend vorhanden. Noch nicht bis zum Ende ist das Problem mit dem Treibstoff gelöst und das heißt nicht, dass welcher fehlt, sondern dass mit etwas veralteten Systemen der Normierung gearbeitet wird. Sogar während der Kämpfe um Starognatowka wurde der Treibstoff für die Technik streng „nach Anforderung“ abgegeben und die Versorgung über die mobilen Punkte auf der Anfahrt zur Front war nicht organisiert worden. Teilweise geschah das infolge der Befürchtungen, dass die ukrainische Artillerie sich methodisch vornehmen wird, sie „zu verbrennen“, es gab solche Präzedenzfälle.


Die wesentlich ernsthafteren Probleme der SKN bestehen beim taktischen Zusammenwirken im Verlauf der Angriffsoperationen. Die ersten Symptome dieser Schwäche wurden noch unter Debalzewo festgestellt und in voller Schönheit haben sie sich in Peski und Marinka bewiesen. „Auf die Schultern“ des Gegners zu treten (infolge der Gegenangriffe) war die Landwehr noch nie in der Lage und obwohl es die Chancen dafür gab, sowohl Peski wie auch Marinka einzunehmen, wurden diese mit sehr ernsten Folgen – für die nicht so zahlreichen republikanischen Truppen – verpasst. Das waren nämlich nicht einfach lokale Zusammenstöße — die Kontrolle über diese Orte verändert die Konstellation an der Front um Donezk ernsthaft, hätte die Drohung eines neuen Kessels geschaffen, was eine sehr ernüchternde Tatsache für die Kiewer Macht gewesen wäre, ungeachtet der ganzen gewöhnlich erzeugten propagandistischen Hysterie.

Auch stößt die unendliche Manipulation von den Reserven entlang der Front in den Versuchen, eine sogenannte mobile Verteidigung zu bilden, ganz klar an ihre Grenzen. Wir erinnern uns daran, dass die ukrainische Armee den Weg gegangen ist, eine physische Überlegenheit der Kräfte und damit Druck auf der ganzen Länge der Front zu erzeugen. In so einer Lage ist eine mobile Verteidigung schön, aber sie garantiert das Ergebnis nicht, da der Kommandeur ganz leicht eine elementar falsche Entscheidung wegen des Mangels an operativen Aufklärungsdaten unter den Bedingungen der Zeitnot während der Zusammenstöße in einigen unterschiedlichen Richtungen treffen kann. Im übrigen werden wir der Vollständigkeit halber anmerken, dass ins informative Feld die Gerüchte über die Anlage von Minenfeldern in den panzergefährdeten Richtungen schon mehrmals durchsickerten, obwohl die letzten Kämpfe bei Nowaja Laspa keine Panzersperren an den Tag gebracht haben. Es ist eine andere Sache, dass von allen Panzern, die die Ukrainer für diese Operation konzentriert hatten, nur einer zugeführt wurde. Aber das ist ein lokaler Fall.

Zugleich ist auch bekannt geworden, dass jetzt die Sättigung der gut vorbereiteten Truppenteile mit Panzerabwehrmitteln erfolgt und es werden neuerdings sehr aktiv die früher unzugänglichen Mittel des radioelektronischen Kampfes und Drohnen verwendet. Außerdem kann man aus den Mitteilungen über die Verbesserung der Qualitätskennziffern an der Front seitens der Landwehr zum Schluss kommen — dass ein Sprung bei der Vergrößerung der Zahl der technischen Fachkräfte offenbar gemacht wurde. Aber das sind alles nur taktische Momente.

Der strategische Fehler Kiews

Strategisch sind die Landwehrmänner gezwungen, auf den Versuch des Durchbruchs seitens der ukrainischen Armee zu warten, um dann gewohnheitsgemäß mit Flankenschlägen die führenden Truppenteile abzuschneiden. Dazu kommt, dass es die Streitkräfte der Ukraine nicht schaffen werden, die Unterstützung der Kommunikation von, sagen wir, Wolnowacha bis Ilowajsk zu organisieren. Dazu sind noch so viele Soldaten notwendig, wie es unmöglich ist, mit x-beliebig vielen weiteren Mobilisierungen zu beschaffen.
Die Kritiker können sich die Version vom gleichzeitigen Angriff der ganzen Armada nicht vorstellen. Natürlich ist das von der Theorie her möglich, aber tatsächlich würde der Übergang der Linie der Front einer Gruppierung mit einer solchen Anzahl Menschen (von 60000 bis zu 90000 minus das technische Personal und die Reserven) äußerst negativ gerade vom politischen Standpunkt her aussehen und das ist Kiew wichtig. Freilich geht die ukrainische Macht davon aus, dass es sein könnte, dass die Armee der selbstausgerufenen Republiken infolge einiger massiver Schläge zerfallen wird. Man will bemerkt haben, dass es vereinzelt Fälle von ungeordnetem Rückzug oder sogar Panik in den Truppenteilen der Landwehr im vergangenen Kriegsjahr gab (die Aufgabe von Slowjansk, Kramatorsk und Lissitschansk ist dabei nicht betrachtet worden, es handelt sich nur um die Kämpfe an der Front). Der Krieg ist furchtbar, nicht alle sind verpflichtet, Helden zu sein. Aber sich unkontrollierten Rückzug großer Kräfte der Landwehr vorzustellen, ist schon sehr kompliziert.

Und es ist noch komplizierter sich vorzustellen, dass ein so großzügiger Angriff einer ganzen Feldarmee so ganz ohne Antwort seitens Russlands bleiben würde. Vor so einem Drehbuch fürchtet man sich in Europa und möchte es auf keinen Fall zulassen. Deshalb wird es wohl so einen Fall nach dem 24. August (an diesem Datum fanden die Verhandlungen im „abgestumpften“ normannischen Format — von Pjotr Poroschenko eingeplant, und mit Francoise Hollande und Angela Merkel verwirklicht, statt) nicht mehr geben. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden die Anstrengungen der USK auf Versuche von lokalen Durchbrüchen beschränkt bleiben und dann wird man sehen was sich ergibt. Schwach wird gehofft, dass in den Kabinetten des Generalstabes in Kiew ein gewisser minutiöser Plan des Durchbruchs zur russischen Grenze wirklich entwickelt ist. Aller Wahrscheinlichkeit nach beträgt der Horizont der Planung — allerdings nur zwei-drei Tage. Weiter darf man aus außenpolitischen Gründen einfach nicht denken. Und so eine Kurzsichtigkeit ist an und für sich — eine Form des Selbstmordes.

Überhaupt, man muss bemerken, dass der Hauptfehler Kiews, sowohl strategisch wie auch politisch — die Tatsache der Bildung dieser riesigen Armeegruppierung war. Dieses Theatergewehr (mir scheint die Analogie passend), ist verpflichtet zu schießen. Die politische Sackgasse (die Armee kann man unmöglich einfach so nach Hause entlassen) schiebt Kiew geradezu in Richtung militärische Lösung. Um diese verfahrene Kiste noch anzuhalten werden irgendwelche ganz extraordinäre diplomatische oder politische Bemühungen erforderlich sein.

Invictus maneo!

Aleksej Sanin.

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4 Antworten zu Wie die Republiken beabsichtigen, sich gegen die 90000-Mann-Armee der Ukraine zu verteidigen.

  1. MURAT O. schreibt:

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  2. Runenkrieger11 schreibt:

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  3. Königsberg/Pr. schreibt:

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