Karthago – der Fluch Roms

Карфаген – проклятие Рима.

Vorwort  Thomas

Bertolt Brecht über Militär:

Das große Karthago führte drei Kriege. Nach dem ersten war es noch mächtig. Nach dem zweiten war es noch bewohnbar. Nach dem dritten war es nicht mehr aufzufinden.

Quelle: Offener Brief an die deutschen Künstler und Schriftsteller, 1951.

bone044Gestern dachte Rostislaw Ischtschenko in seinem Artikel „Der Donbass und der 2.Punische Krieg“ über historische Parallelen nach. Das soll der vorliegende Artikel über Karthago vertiefen. Bitte richten Sie Ihr Augenmerk auf die Vielzahl von Parallelen zwischen dem römischen Konkurrenten damals und dem RF/BRICS-Konkurrenten heute. Zur Erinnerung: Moskau sah sich schon immer als Nachfahre der direkter Linie von Rom – Byzanz — Moskau.   Marc Aurel, Justinian und Putin verbinden große Klugheit und Sachverstand weit über ihre Epochen hinaus.

Karthago – der Fluch Roms

330px-Quartier_PuniqueDennis Gorobets 07.07.2015

Übersetzt aus dem russischen: Thomas

Die Ruinen Karthagos, der größten Stadt der Alten Welt, befinden sich in Tunesien. Bis jetzt sind ihre Geheimnisse nicht vollständig erschlossen und es ist durchaus möglich, dass sie im Nichts verschwinden — die Villen der modernen reichen Tunesier sind jetzt schon ganz dicht an die Ruinen der ehemaligen «Hauptstadt der Welt» herangerückt.

Tunisia_adm_location_map.svgDie Römer und die Griechen verband schon immer Hass und Abneigung mit Karthago. Der Grund dafür lag nicht nur darin, dass es ein direkter Konkurrent dieser Völker im Handel war.

Astarte, Melkart, Tanit und Baal-Hammon — sind die Hauptgötter des karthagischen Pantheons (Anfangs wurden in Karthago, wie im phönizischen Mutterland üblich, Astarte und Melkart als Hauptgötter verehrt. Ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. entwickelten sich Tanit und Baal-Hammon zu den Hauptgöttern Karthagos. Tanit wurde als Schutzpatronin der Stadt verehrt, ihr Gemahl Baal Hammon galt als Fruchtbarkeitsgott. d.Ü.) Die Menschenopfer (und besonders — von Kindern) galten hier als normale alltägliche Sache, was natürlich die zivilisierteren Griechen und Römer empörte. Einmal pro Jahr flammte in den städtischen Tempeln das Opferfeuer auf. Um die Feuer versammelten sich Mengen von Männern und Frauen, viele von ihnen hielten ihre Erstlinge auf dem Arm. Nach dem Zeichen der Priester warfen die Mütter ihre Kinder in die tosenden Flammen und die Männer fielen auf die Knie und flehten zu dem blutigen Idol um ein Zeichen für Erfolge im Handel und eine reichen Ernte.

Die Karthagischen Gemüter machen die modernen Forscher mit ihrer Grausamkeit betroffen. So wollte, zum Beispiel, der bekannte Seefahrer Hanno (Hanno der Seefahrer, war ein karthagischer Admiral, der um das Jahr 470 v. Chr. entlang der afrikanischen Westküste vermutlich bis in den Golf von Guinea segelte, um neue Handelswege zu erschließen. d.Ü.), die Macht in der Stadt ergreifen. Ihn hat man hingerichtet, wie die Städter meinten, geschah es ohne besondere Qualen »äußerst“ leicht. Erst peitschte man ihn mit Ruten, „alles in allem“ bis die Haut ihm in Streifen hinunterhing, dann stach man ihm die Augen aus, schlug ihm Hände und Beine ab, um ihn gleich darauf zu entleiben.

Und natürlich rief Karthago bei allen benachbarten Völkern Neid hervor. Es verfügte wirklich über die umfangreichsten Kolonien und die reichsten Silberminen in Spanien. Karthago besaß Sizilien, Korsika und nebenan noch andere Inseln. Bis zum Х. Jahrhundert war die Stadt so groß, dass sich sogar zur Friedenszeit auf seinem Territorium 400 Elefanten, 4000 Pferde und die Waffen mit Rüstungen, ausreichend für die volle Ausrüstung von 200000 Infanteristen, befanden. Karthago hatte Tribut bei allen umliegenden Völker erhoben, wer konnte — der zahlte mit klingender Münze, alle übrigen sendeten jungen Frauen und Kämpfer sowie Lebensmittel.

In Karthago wohnten ungefähr 700000 Menschen, aber in der Nacht war es unmöglich, zum Meer zu sehen — die Stadt war umgeben von einem dreifachen Ring aus Wänden. Die Bewohner von Karthago verkleideten die Wände mit riesenhaften Steinplatten, die sie mit bleiernen Klammern befestigten. Mit solchen Platten waren auch die breiten Fußwege gepflastert.

Alle 56 m waren in die Wand riesenhafte Türme mit Schießscharten für Bogenschützen und Plätzen für Schleudern eingebaut. So konnte man buchstäblich jeden Zentimeter des Raumes vor der Festung beschießen. Zum Dienst in Karthago wurden die Besten eingeladen, z.B. die weltbekannten Balearen-Schleuderer. Wie die Historiker berichten, vereinbarten diese Scharfschützen, wenn sie einen Schwarm fliegender Enten erblickten, wer welchen Vogel abschießt und wer nicht traf, erntete bei jedem Fehlschuß donnerndes Gelächter, weil der Fehlschuss als Schande galt.

Es gab in Karthago auch ein inneres Hafenbecken, dass mit dem Meer durch einen breiten Kanal verbunden war.

Der Grund des Kanals und der Hafen waren aus denselben riesenhaften Platten gebaut, die auch bei der Errichtung der Wände verwendet wurden. Innerhalb der Stadt konnten sich bis zu 220 Kampfschiffen gleichzeitig befinden. Alle Handelsschiffe der ausländischen Mächte waren verpflichtet, auf der Reede unter der Beobachtung der mächtigen städtischen Statue zu bleiben.

Ein besonderer Einnahmeposten Karthagos war der Handel mit Informationen. Karthago wusste alles! Einige Gelehrte meinen, dass die Seefahrer dieser Metropole sogar von der Existenz Amerikas wussten. Die Stadt wurde von dem Rat der Ältesten geleitet, in dem ungefähr 300 ständige Mitglieder gezählt wurden. Die höchste exekutive Gewalt gehörte zwei vom Volk gewählten Sufeten (die beiden Sufeten waren die obersten Magistrate in phönizischen Städten wie Tyros und insbesondere in Nordafrika auf dem Gebiet der Handelsrepublik Karthago. d.Ü.). Die Möglichkeit einer Diktatur war ausgeschlossen, man wählte die Sufeten aus mitteinander verfeindeten Klanen. Im übrigen, sogar die höchsten Ämter waren im materiellen Sinne nicht besonders vorteilhaft — kein «Diener des Volkes» bekam aus dem Staatsschatz der Stadt auch nur eine Kopeke. Es blieb also nur das Schmiergeld, aber dafür hat man sie unbarmherzig hingerichtet. Deshalb gingen in den staatlichen Dienst nur die Leute mit großem Besitz, die sich nach Ruhm sehnten. Übrigens waren sie genau wie auch die einfachsten Städter verpflichtet, den blutigen Göttern ihre Erstlinge zum Opfer zu bringen.

Bis 264 v.Chr. haben sich die Interessen Karthagos und Roms nicht gekreutzt. Doch dann krachten die zwei «Supermächte der Klassik» wegen Sizilien zusammen. Das Ergebnis der Punischen Kriege ist allen bekannt. Karthago hat den Krieg verloren, dabei nicht selten eine Schlacht gewinnend, und war trotzdem zerstört. Die zahlreichen Kolonien wurden von Rom übernommen oder sind von lokalen Wilden ausgeraubt worden, die sich vor der Vergeltung der eisernen Hand der «Hauptstadt» nicht mehr fürchteten.

Zum ersten Mal wurden Ausgrabungen Karthagos noch vom römischem Kaiser Nero unternommen. Im Jahr 63 erschien in seinen Palast ein gewisser Caecilius Bassus. Der berichtete, dass neben Karthago in riesiger Tiefe eine Höhle entdeckt wurde, deren Wände vollständig aus Gold waren und die bis zur Decke mit Schätzen für Nero vollgestellt ist. Es ist nicht überliefert, ob er sich mit seiner zukünftigen Beute schon grandiose Gladiatorenwettkämpfe veranstalten sah, die dann seinen Staatsschatz vollständig verwüstet hätten. Und dann hat den Kaiser eine schreckliche Depression ergriffen: eine anlandende Abteilung Pretorianer hat alle Stellen durchgegraben, die von Caecilius angegeben wurden, aber sie konnten nichts dabei entdecken. Der Bassus hat auf einen Zauber verwiesen, er wurde in den Kerker geworfen, erst später hat man ihn als Geisteskranken anerkannt und ihn dann entlassen, wobei aber sein ganzes Eigentum beschlagnahmt wurde.

Ungeachtet dessen besteht kein Zweifel an der Existenz der Schätze Karthagos. General Raymond Duval, der sich in 1949 vom Flugzeug aus die Stelle anschaute, wo sich Karthago befunden hatte, wurde einer der ersten gegenwärtigen Archäologen, der die Schatten verfluchte, die von den Römern auf der Stadt hinterlassen wurden. Zuerst hat er den Kanal ausgegraben, der den inneren Hafen mit dem Meer verband, dann hat er die Steinbruchstücke der Tempel der blutgierigen Götter verbunden. Und dann sind ihm tönerne Schilde in die Hände geraten, die Gelehrte erst vor kurzem entziffern konnten. Es zeigte sich, dass die Herrscher der reichsten Stadt der Welt, ihr schnelles Ende ahnend (Scipio stand bereits vor den Mauern Karthagos), den ganzen städtischen Staatsschatz eingegraben hatten. Leider ist der genaue Bestattungsort des Schatzes nicht klar, es ist nur bekannt, dass es sich unweit von der Stadt befindet. Sogar nach modernen Maßstäben ist das ein Mehrmilliardenvermögen.

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Jetzt arbeiten in Tunesien, wo sich die Ruinen Karthagos befinden, sowohl die Archäologen als auch die «schwarzen Schatzsucher».

Einige haben sich schon damit bereichert, dass sie die Begräbnisstätten reicher karthasischer Bürger beraubten. Offen liegen schon diverse Ruinen der Stadtmauer, der Akropolis, der Tempel, auch die pfeilgeraden Straßen sind aufgeräumt. Jetzt ist Karthago ein Denkmal unter freiem Himmel, aber sein Gold, die Schätze der blutigen Priester und der Väter der Stadt warten immer noch auf neue Besitzer.

Invictus maneo!

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2 Antworten zu Karthago – der Fluch Roms

  1. MURAT O. schreibt:

    Hat dies auf D – MARK 2.0 rebloggt.

    Gefällt mir

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