Mitbegründer der Kommunistischen Freiwilligenabteilung (ДКО) Alexsej Markow im Interview

Один из основателей добровольного коммунистического отряда (ДКО) Алексей Марков дает интервью.
fc7dbd0d4722Der Genosse „gut“

Autor: Colonel Cassad 01.07.2015

Übersetzt aus dem russischen: Thomas

Im Mai war für einige Zeit der Kriegsberichterstatter Alexander Iwanow in der Lugansker Volksrepublik. Wir empfehlen Ihrer Aufmerksamkeit das Interview, dass er mit dem Stellvertreter des Kommandeurs für Rückwärtige Dienste der OmBr „Prisrak“ (Отдельная механизированая бригада – Mechanisierte Brigade. d.Ü.) Aleksej Markow (Rufname „gut“) führte, der gleichzeitig einer der Gründer und der heutige Leiter der Kommunistischen Freiwilligenabteilung (ДКО) ist, die zu der Brigade gehört.

Das Interview wurde kurz vor den tragischen Ereignissen vom 23. Mai geführt, als auf dem Weg von Altschewsk nach Lugansk infolge eines Anschlages der Kommandeur der Brigade Aleksej Borissowitsch Mosgowoj und seine Genossen getötet wurden.

Wie entwickelte sich die Kommunistische Freiwilligenabteilung (ДКО) und womit beschäftigte er sich zu Beginn seiner Arbeit bei den Lugantschan?

Lange Zeit warteten viele Menschen darauf, dass die großen kommunistischen Parteien und Organisationen hier in Noworossija eine Einheit bilden. Zuerst lag die Hoffnung auf der KPU (der kommunistischen Partei der Ukraine), die immerhin den Titel – kommunistisch – im Namen hat, dann lag die Hoffnung auf der KPRF (der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation) – der größten „linken“ Partei Russlands und später waren da noch viele andere Hoffnungen. Und irgendwann im Spätsommer des Jahres 2014 wurde klar, dass sie warten können bis die Hölle zufriert. Wir arbeiteten im Rahmen des Koordinationszentrums der Hilfe für Noworossija, dort haben sich hauptsächlich Kommunisten getroffen plus eine kleine Zahl parteiloser Sympathisanten. Die haben untereinander geredet und haben sich entschieden, dass es keinen Sinn macht, weiter zu warten. Man muss das selbst in die Hand nehmen und einfach machen. Sie haben sich mit den Leuten besprochen, die bereit waren, nicht nur für begrenzte Zeit sondern bis zur Erringung des Sieges loszufahren. Sie haben die Hilfe von den lokalen kommunistischen Organisationen gefunden, aber nicht die von den hauptstädtischen. Wir versammelten achtzehn Menschen und fuhren hierher. Es gab keine Vereinbarungen mit den regionalen Behörden. Aber es waren die guten Beziehungen zu Aleksej Mosgowoi und der MechBr „Prisrak“, in der wir schließlich ankommen. Niemand half uns besonders bei der Bildung unserer Abteilung. Sie sind vorbeigekommen und haben sich überzeugt, dass wir mit diesen Menschen eine vollwertige Abteilung bilden können und haben dann begonnen, uns mit der Vorbereitung des Personalbestandes zu beschäftigen. Die Hälfte der Menschen wurde noch nie beschossen, sie sind ohne Erfahrungen mit dem Wehrdienst. Ebenso beschäftigen wir uns mit der Bildung, sowohl der Kämpfer wie auch der lokalen Bevölkerung. Bei uns wurden Vorlesungen zur Geschichte Russlands, zur Weltgeschichte und zur politischen Ökonomie gehalten.

Sie hatten Fachkräfte, die unterrichten konnten?

Bei uns waren vier diplomierte Historiker, einschließlich eines Kandidaten der historischen Wissenschaften. Als Plus in der Abteilung für politische Arbeit der OmBr „Prisrak“ befand sich dort der bekannte Historiker Igor Pychalow. Dieser sehr interessante Mensch schreibt übrigens auch sehr interessante Bücher. Alles war gut, etwa bis zum neuen Jahr. Zu dieser Zeit hatte der Krieg wieder angefangen. Tatsächlich wurde ununterbrochen gekämpft und es gab kaum noch Möglichkeiten, die Abteilung für die Ausbildung zu versammeln. Aber wir versuchten es. Versuchten mit den Menschen zu arbeiten, die Informationen über das Geschehende in unserer Republik und in der Welt allgemein in der Brigade zu erklären. Für die Kämpfer, die wochenlang nicht von der vordersten Linie zurück kamen, die nichts außer Explosionen und Schießereien sahen, ist es ganz wichtig zu erfahren, was ringsumher geschieht. Anders wird das informelle Vakuum mit den dümmsten und unsinnigsten Gerüchten ausgefüllt. Obwohl zur Zeit des „Debalzewo – Epos“ überhaupt keine Möglichkeit war, sich mit der Bildung und der Erziehung des Personalbestandes zu beschäftigen. Daran und an Schlaf war in der Zeit nicht zu denken.

Sie nahmen teil?

Ja. Unsere kommunistische Einheit kam in Debalzewo als eine der ersten an. Aber wie üblich erscheinen nach einem x-beliebigen Sieg viele Menschen, die die Fahne über dem „Reichstag“ aufgepflanzt haben. Mit der Zeit werden sie hunderte und später dann tausende. Ich kann nur davon berichten, was ich mit eigenen Augen gesehen habe.

In Debalzewo kam unser Trupp in der Nacht von zwölftem auf den dreizehnten Februar unter den ersten zwei Aufklärungsgruppen an. Die erste – „Spez“ – kam aus dem Stab des Korps. Die zweite – „Plastuna“ – aus der 24. Brigade. Zur ungefähr gleichen Zeit kam von der anderen Seite auf Debalzewo die Gruppe des „Griechen“ zu. In der Summe waren wir damit 20-25 Leute. Am Morgen des dreizehnten traf im Bezirk „8. März“ die Stossabteilung ein, die hauptsächlich aus unseren Kommunisten bestand. Die erste Welle führte Arkadij (Pjotr Birjukow). Zum Mittagessen habe ich dorthin die Verstärkung und die Ausrüstung geliefert, es war die zweite Welle. Sie bestand auch aus den Kämpfern der FKA (Freiwillige Kommunistische Abteilung). Am dreizehnten befanden sich in Debalzewo, im Bezirk „8. März“, ausschließlich die Aufklärer, über die wir nichts konkretes wussten und ungefähr 60-80 Leute der Brigade „Prisrak“. In derselben Nacht bin ich von da abgerückt und am Morgen des vierzehnten mit der nächsten Gruppe von Menschen aus unserer Brigade zurückgekehrt. Im Vorbeigehen sah ich Miliz. Diese Menschen waren allem Anschein nach nicht ausgebildet und wurden einfach in kleine blaue Polizeiuniformen gesteckt und hierher zum Kämpfen geschickt. Die Verluste bei ihnen waren sehr groß. Zum Beispiel hat unsere Brigade in der gesamten Debalzewo – Operation 11 Menschen verloren. Wobei die Hauptverluste während des Heranführens an Debalzewo entstanden sind. Es war kompliziert, sich dorthin durchzukämpfen. Als wir in die Stadt einmarschierten, waren unsere Verluste dort faktisch gleich Null.

Warum hatten sie große Verluste?

Die schlechte Vorbereitung und die leichtfertige Einhaltung der Befehlskette hatten stark negativen Einfluß. Wir konnten darauf bauen, dass wir einen bestimmten Anteil Unabhängigkeit hatten und planten die Operation zur Einnahme von Debalzewo so, wie wir das für nötig hielten. Sowohl unsere Taktik als auch die Strategie haben sich als vorteilhafter erwiesen. Menschliche Opfer wurden weitgehend vermieden. Wir sind nach Debalzewo reingegangen, haben unsere Stellungen dort befestigt, haben dann den Brückenkopf befestigt, über den dann schon weitere Einheiten der Lugansker Volksrepublik weiter vorgingen.

Von weitem sieht für die Stäbe alles anders als direkt vor Ort aus. Und auf der Karte sieht das Gelände auch ein bisschen anders aus. Die Karte ist als solche glatter und auf ihr stehen Pünktchen – hier ist befestigtes Gelände, dort auch noch. Unsere lagen alle auf dem Bauch und wir wussten sehr gut, dass von der Seite „8. März“ kein Durchkommen war. Und das einzige Grün, an dem man entlang gehen konnte, wurde buchstäblich auf jedem Meter durchschossen.

Am Morgen des vierzehnten, als ich das zweite Mal Verstärkung nach Debalzewo geführt hatte, war die Erde richtig durchfroren. Es lief sich sehr bequem, die Füße brechen nicht ein. Aber der ganze Pfad war von Trichtern, frisch und noch warm, wie übersät und das alles hat noch gequalmt. Irgendwelche kleinen, von 80 Millimeter- Granaten, irgendwelche von 152 Millimeter- Granaten – darin kann man einen Wagen verbergen. Ehe du dich versiehst, eine Minute früher oder später, und du liegst in diesem Trichter. Genauer, ich lag nicht in dem Loch und die Granate hatte im Radius von 20 – 25 m ringsumher alles übereinander geworfen. Hier geht der Krieg hauptsächlich über die Artillerie. Eben deshalb ist es wichtig, die Fähigkeit zu entwickeln, schnell in den Nahkampf mit dem Gegner einzutreten, die Sache bis zum Schusswechsel auf kurze Entfernung hinzuführen, wo der Gegner seinen Vorteil der Artillerie nicht verwenden kann. Außer der Tapferkeit sind dabei Vorsicht und Verstand nötig. Bei uns zeigte sich beides als verfügbar. Bei uns wurde es auch erhalten.

Nach der Einnahme und der Befreiung von Debalzewo ist die Autorität der Brigaden und der kommunistischen Abteilungen wesentlich gewachsen. Die oberste Führung hat das erkannt und hat es bewertet.

Wie viele Leute gehören heute zur FKA?

Niemand wird jetzt die genaue Anzahl sagen können, weil die Abteilung momentan in der ganzen Brigade verstreut eingesetzt ist. Es sind wohl 60-80 Leute etwa. Zur Zeit des „Debalzewo – Kessels“ waren wir bis zu 120 Menschen. Erstens lief zu uns viel Volk über, da bei uns Disziplin herrscht. Zum Beispiel flippt bei uns niemand aus. Bei uns bildet man den Soldaten aus. Zweitens traten bei uns aus der Brigade ganze Einheiten ein. Sie lösten sich auf und das ganze Personal mit seinen Waffen trat bei uns ein. Deshalb wurden in Debalzewo in der FKA 110-120 Menschen gezählt. Das Plus kam durch die wesentliche Zahl der eingetretenen Unterabteilungen, nicht nur aus der Brigade „Prisrak“.

Jetzt sind viele in Urlaub gefahren oder auch wegen einer Verwundung abgefahren. Ein Teil des Volkes ist einfach gezwungen, seine Familien zu füttern. Hier bekommen die Freiwilligen keine einzige Kopeke. Und viele haben Frauen und Kinder und die letzten acht Monate kein Gehalt bekommen.

Warum hat sich die Freiwillige Kommunistische Abteilung gerade zu Aleksej Mosgowoi in die Brigade „Prisrak“ begeben?

Am einfachsten ist die Erklärung, dass wir zu Mosgowoi gute Beziehungen hatten. Wir leisteten der Brigade schon ziemlich lange vielfältige Hilfe. Anfang September fuhren wir mit Arkadij hierher, nach Altschewsk, um verschiedene Dinge zu regeln. Hier haben wir die Brigade besser kennengelernt und es wurde hier die Übereinkunft erzielt, dass wir mit unserer Sonderabteilung nach einer bestimmten Zeit hierher kommen. Etwa zu dieser Zeit haben wir begonnen, die offiziellen Strukturen der Volksmiliz zu bilden.

Ich unterstütze diese Idee, wie jeder beliebige vernünftige Mensch ganz und gar. Aber diese Miliz wurde mit bestimmten Zielen gebildet und von bestimmten Menschen … Und dann gibt es erst viele Fragen und dann auch tüchtiges Befremden und Misstrauen. Es muß reichen wenn man weiß, dass aus dem Korps der «Volksmiliz der LVR» regelmäßig Menschen zu uns wechseln. Obwohl es dort Gehälter, Titel, Ämter und soziale Garantien gibt und das gibt es hier alles nicht. Die Erklärung ist immer eine und dieselbe, dort – herrscht Chaos.

Ob man von einer Ideenverwandtschaft der Kommunistischen Abteilung und des Brigadekommandeurs Aleksej Mosgowoi reden kann?

Nein. Der Brigadekommandeur Mosgowoi – bezeichnet sich selbst öffentlich als Monarchisten. Obwohl er mehrfach wiederholte, dass er auch bereit ist ein Kommunist zu sein oder sonst was, wenn es nur geholfen hat, Noworossija zu befreien und hier einen Staat für das Volk aufzubauen. Aber es gibt einfach keine offizielle Struktur in der Armee der LVR für unsere Abteilung, und bei Mosgowoi da gibt es eine Stelle für uns.

In der offiziellen Armee gibt es keinen Platz für Abteilungen und Unterabteilungen, die nach nationalem oder ideologischem Merkmal gebildet worden sind. Ich bin ganz und gar damit einverstanden. Die Armee soll Armee sein wenn sie irgendwo aufkreuzt. Aber es gibt eine große Menge von freiwilligen Kommunisten, die wünschen die lokale Bevölkerung zu schützen, die wollen, dass ein normaler, rechtmäßiger Staat hier aufgebaut wird und die, um es vorsichtig auszudrücken, es nicht gut finden, was in den Brigaden der «Volksmiliz der LVR» veranstaltet wird. Diese Menschen kommen zu uns. Sie berücksichtigen dabei auch, dass es bei uns nur Freiwillige gibt. Wir haben bei uns keine
Menschen, die für Geld hierher gekommen sind, oder für Titel oder für sonst welche 7576c55fcab0Wünsche. Die Menschen bei uns sind hoch motiviert, verständig und wünschen zu kämpfen. Das Ergebnis sind unsere militärischen Erfolge. Solange wir gebraucht werden, werden wir hier bleiben. Und Mosgowoi hat gesagt, dass solange die Brigade „Prisrak“ existiert, solange wird auch die Kommunistische Abteilung existieren.

Welche neue Aufgabe hat jetzt die Freiwillige Kommunistische Abteilung?

Die Aufgabe ist mindestens – den Truppen und den Verbänden der ukrainischen Junta nicht zu gestatten, die Ortsbewohner zu töten. Das ist die minimale Aufgabe. Die Aufgabe nach mittlerer Perspektive ist – dem brüderlichen ukrainischen Volk zu helfen, sich von den Oligarchen zu befreien, die die Macht ergriffen haben und gutnachbarliche Beziehungen sowohl mit Russland als auch mit Europa, im Grunde mit Jedermann herzustellen. Und die maximale Aufgabe ist – die Konstruktion eines sozialistischen Staates.

Welche Stimmungen gibt es bei den Ortsbewohnern?

Sehr verschiedene. Es gibt nicht „den einen“ Menschen, wie die Norm von einem Ortsbewohner. Jemand schreit im Verborgenen „den Helden der Ruhm“ und davon, „Bandera“ empfangen zu wollen, damit endlich wieder Ordnung einzieht. Jemand hasst die Bandera – Leute und ist bereit, alles was möglich ist zu tun, um uns zu helfen, wenn nur die Ukraine von dieser braunen Pest befreit wird.

Der Mehrheit ist es wichtig, dass das Gehalt gezahlt wird und die Renten und das man in den Geschäften etwas kaufen kann. Es ist so wie in einem beliebigen Land, in einem beliebigen Staat. Achtzig Prozente werden es so wollen.

Aber wenn man es mal insgesamt betrachtet, dann kann man nur feststellen, dass die Einheimischen uns ganz stark unterstützen. Manchmal geht es sogar bis ins Lächerliche. Bei uns wurde zum Ende Herbst der Befehl vom Kommandeur der Abteilung herausgegeben, der den Kämpfern verbietet, von den Ortsbewohnern etwas kostenlos zu nehmen. Es hatten sich die Fälle gehäuft, dass auf dem Markt und in den Geschäften verzichtet wurde, von unseren Kämpfern Geld zu nehmen. Sie sagten: «Sie schützen uns, dafür geben wir Ihnen das als Geschenk». Die Kämpfer kamen mit Gelächter zurück, weil es ihnen kaum gelungen war, ihr Geld loszuwerden. Sie mussten erst auf den Befehl verweisen, dass sie anders verhaftet und erschossen werden. Persönlich hat mir gegenüber ein Mann auf dem Markt, bei dem unsere Kämpfer Speck kaufen, rundweg verzichtet, das Geld zu nehmen, obwohl wir fünf Kilogramm Speck genommen haben. Mit Mühe gelang es, ihm 20 Griwna aufzudrängeln, die in Wirklichkeit auch nur Kopeken sind.

In Debalzewo waren die Ortsbewohner unermesslich dankbar, wenn wir sie aus dem Feuer von da wegbrachten. Nach ungefähr zwei Wochen war ich wieder an dem Platz, dieses Mal mit zwei italienischen Journalisten und während wir da standen, kam auf der Straße ganz zufällig eine Großmutter daher und sie hat mich erkannt. Es zeigte sich, dass ich sie am vierzehnten des Monats auf einem MT-LB (Mehrzweckschlepper mit leichter Panzerung) ins Hinterland gebracht hatte. Sie hat mich in den Arm genommen, hat auch ein wenig geweint und sich dafür bedankt, dass wir sie gerettet haben. Später haben wir dann noch gesprochen. Das Leben war schwer für sie. Drei Wochen haben sie im Keller gelebt, ohne Heizung, ohne Licht, ohne Wasser, ohne Medikamente unter ganz schrecklichen Bedingungen eher vegetiert. In den ersten Tag konnten wir sie noch nicht Mal von da herauszuziehen. An der Oberfläche droschen sie von allen Seiten los. Dort arbeiteten sowohl die Granatwerfer, als auch die Panzer. Die Nase durfte man nicht hinausstrecken. Am 14. war ich mit dem MT-LB zur Aufklärung unterwegs und es gelang die ersten neun Menschen bei höchster Geschwindigkeit zu evakuieren.

Wie ist es denn in Altschewsk mit der Kriminalität? Auf der Straße gibt es keine Miliz und die Landwehrmänner treffen sich selten. Hält man sich denn an die Ordnung, die Stadt ist doch ziemlich groß?

Als hier nur die Brigade „Prisrak“ war, waren die Bedingungen einfach. Die Miliz war hier nicht mehr wirklich – sie war auseinandergelaufen und beeilte sich auch nicht – zurückzukommen. Die Ordnung wurde von Streifen unserer Brigade und Gruppen der schnellen Eingreiftruppe aufrechterhalten. Da es Gerichte hier auch nicht mehr gibt, so wurden alle «Straffälligen» – der Alkoholiker, der Rauschgiftsüchtige, der Rowdy, ins Humanitäre Bataillon auf 20-30 Tage fortgebracht. Und sie machten ihre Verstöße mit viel Arbeit wieder gut: räumten die Stadt auf, brachten Wasser, gruben die Erde um. Sie mussten nicht erschossen werden und es gibt keine Gefängnisse mehr bei uns. Solche körperliche Arbeit ist eine gute Erziehung.

Vor einigen Monaten waren gerade in Altschewsk die Truppenteile der 4. Brigade angekommen. Es erschien hier eine vollwertige Militärkommandantur, eine komplette Staatsanwaltschaft, irgendwelche Organe der Lokalbehörden und die Miliz. Dann beschäftigen sie sich mit diesen Rowdys. Wir nehmen sie nur am Kragen, bringen sie in die Abteilungen des Bezirks und übergeben sie von Hand zu Hand. Wie seltsam war es zu sehen, wie die Rechtsordnung der Kämpfer von „Prisrak“ gewährleistete, dass die Stadt sehr ruhig war. Tatsächlich war es verboten, Menschen mit Waffen rumlaufen zu sehen. Bei uns gab es ein strenges Verbot vom Tragen der Waffen in der außerdienstlichen Zeit. Und die Ortsansässigen wussten genau, dass man mit uns darüber nicht diskutieren brauchte. Wir nehmen kein Schmiergeld und die folgenden zwanzig Tage muss der Randalierer für alte Leute sorgen oder irgendwo die Fußböden wischen. Das Volk hatte es schnell verstanden und bemühte sich, nicht gegen die Regeln zu verstoßen.

Wie kam es, dass Sie eine der Führungskräfte der Abteilung wurden?

Wir besprachen mit Arkaditsch seit langem die Frage der Strukturierung der Abteilung. Erst wollten wir in irgendeine der bereits existierenden Abteilungen fahren. Wir warteten, ob irgendjemand, zum Beispiel einer von den Reserve-Offizieren, schon irgendwo so eine Einheit organisiert hat. Die Zeit ging dahin, aber niemand hatte etwas organisiert. Für Arkaditsch war es schon der dritte Krieg. Er war Offizier. Ich habe außer ein Paar Jahren an der Panzerschule weiter keine militärische Ausbildung. Aber ich bin ein guter Organisator. Es zeigte sich, dass zwei Menschen dafür genügen, um den Kern zu bilden. Und allmählich, als wir begriffen, dass wir begonnen haben, die Kommunistische Abteilung zu bilden, fingen die Menschen an, angezogen zu werden. Das waren die Menschen, die wir suchten. Über das Internet, über Bekannte haben sich die Informationen darüber verbreitet, dass sich die Abteilung entwickelt. Wobei im ersten Bestand sogar noch die Menschen aus den monarchistischen Organisationen waren. Weil, als die Abteilung anfing zu wachsen, waren die Ortsansässigen, die Monarchisten, und auch die Nationalisten schon da.

Alle Freiwilligen gingen über mich. Wir nahmen nicht alle und hatten dafür vollkommen klare Gründe. Für uns war ihre ideologische Orientierung nicht so wichtig. Wenn der Mensch kämpfen will und hat irgendwelche moralische Prinzipien – dann ist das für uns nicht unbedingt wichtig, ob er das Abzeichen mit Lenin trägt und versucht, den Kommunismus aufzubauen. Etwas ganz anderes ist, dass wir die Menschen, die Probleme mit dem Alkohol haben, die es mit dem Gesetz nicht so genau nehmen und die angekommen sind, ihre persönlichen Probleme zu lösen, nicht verwenden können. Wir brauchen Kämpfer, die diszipliniert und motiviert sind. Leider gibt es von der Sorte nicht so viele und die nehmen wir alle. Der bedeutendere Teil unserer Menschen sind umerzogene. Als wir 4 Monate lang die Garnison im Gefängnis von Komissarowka hielten, kamen zu uns Menschen sowohl aus der Landwehr, als auch von den Ortsansäßigen. Solche «Überflieger». Die noch ganz „berauscht“ waren, wegen einer Schlägerei oder wegen sonstwas. Und dann mussten sie bei uns 20 Tage in den Kellern arbeiten und als sie damit fertig waren, setzen sie sich hin und schrieben den Aufnahmeantrag in unsere FK – Abteilung. Und nach zwanzig Tagen, Eimerschleppen, Fußboden reinigen, Müllhinaustragen….da kam die Ernte. Und sie wollten bleiben, obwohl man bei uns nicht trinkt, die Kommandeure aus einem Teller mit den Kämpfern essen und es bei uns eine gute Ausbildung gibt. Bei uns waren es bestimmt 15 solcher Fälle. Nach dem fünften oder sechsten habe ich aufgehört, mich zu wundern. Zum Scherz haben sie uns die «Kolonie Makarenko» genannt. Zu uns sandten sie die Menschen tatsächlich zur Umerziehung.

Warum ist Ihr Rufname „gut“, hat das was mit Ihrem Charakter zu tun?

Nein. Ich hatte vor zwanzig Jahren Kollegen, die einen etwas verdrehten Humor hatten, immer wenn ich einen Banditen fing. Ich mache den Eindruck eines sehr guten und höflichen, intelligenten Menschen. Und ich bemühe mich auch, so zu sein. Manchmal allerdings ergibt es sich, dass es besser ist, mich nicht zu ärgern.

Ich fing schon lange Banditen. Es war schon lange her, im vorigen Leben sozusagen. Leider aber hat die Kriminalität dann gesiegt. Es war der Anfang der 90iger Jahre. Es war lustig, hinreißend und endete für mich mit einem Paar Brüchen.

Zu irgendeinem Moment, im 93iger Jahr, ist die Milizzeit für mich einfach zu Ende gegangen. Ich studierte an der Universität, im Nowosibirisker Akademgorodok (akademisches Städtchen, d.Ü.). Es war ein Jahr angebrochen, in dem es die Miliz nicht einfach hatte. Jemand wurde entlassen, jemand ist auf Rente gegangen. Es gab kaum Nachwuchs in der Miliz. Es taugten weder die Gehälter was noch die Garantien, die Perspektiven. Und unter dem wilden Licht ist jedes Gesindel aufgeblüht. Es gab bei uns einige Menschen, die die Bescheinigungen von außerplanmäßigen Mitarbeitern hatten. Laut Vereinbarung mit der örtlichen Behörde. Unsere haben die Papiere gemacht, haben Spezialausweise ausgegeben und haben gesagt: «Sie sind jetzt hier die sowjetische Macht.». Und wir haben sehr entschlossen begonnen, die Ordnung wiederherzustellen. Die lokalen Banditen fürchteten sich vor uns mehr als vor der viel größeren lokalen Miliz und doch waren die Beziehungen zu ihr mehr wert, denn von ihr konnte man sich freikaufen. Und mit uns war das nicht zu vereinbaren. In ganz kurzer Zeit haben wir das Akademische Städtchen und seine angrenzenden Bezirke gesäubert.

Welche Pläne hat jetzt die Kommunistische Abteilung?

Die Pläne sind die Folgenden. Wir wollen näher zur Frontlinie hinüberkommen und, dort integriert werden. Dort vor Ort müssen wir uns ganz intensiv mit dem Training des Personalbestandes beschäftigen. Bei uns hat sich bei den Kämpfern sehr viel geändert, es sind neue gekommen, es sind die erfahrenen und ausgebildeten Veteranen weggegangen. Aus der alten Unterbringung in Komissarowka werden wir weggehen, weil es mittlerweile schon tiefes Hinterland ist. Wir werden die Abteilung an einer Stelle sammeln und uns dann mit ihrer Ausbildung beschäftigen. Ich denke, der Krieg wird mit Sommeranfang von neuem anfangen. Dem entsprechend sollten wir bis zu dieser Zeit fertig sein.

Aufrichtig kann ich sagen, die Zeit der Partisanenabteilungen ist vorbei. Hier spielt die Maschinenpistole (Awtomat Kalaschnikow) nicht mehr die dominierende Rolle, hier spielen gut vorbereitete Armeeartillerieeinheiten die Hauptrolle. Deshalb bilden wir jetzt intensiv unsere Artilleristen aus, wir bilden die Panzerbesatzungen und die Mannschaften der Schützenpanzer aus. Dank Poroschenko haben wir nach Debalzewo auch Panzer, Schützenpanzer, Haubitzen und MT-LB. Der Zustand, in dem sie sie uns übergeben haben, lässt viel zu wünschen übrig. Ich hoffe aber, dass sie sich bei der nächsten Party noch ordentlich halten werden.

Welche Hilfe hat die Abteilung nötig?

Jede. Ehrlich gesagt. Hier lebt nur gut, wer sich mit ungesetzlichem Business beschäftigt. Wer Kohle verkauft, wer Metall schneidet und es dann eingeschmolzen verkauft oder Steuern erhebt vom lokalen Business. Im Allgemeinen gehen die meisten ehrlichen Geschäften nach. Hilfe ist der Abteilung deshalb in allem nötig. Mit der humanitären Hilfe gibt es jetzt die Probleme wegen ihrer Zentralisierung. Am meisten hilft man uns mit Geld oder der persönlichen Anwesenheit bei unserer allgemeinen Sache.

Invictus maneo!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Mitbegründer der Kommunistischen Freiwilligenabteilung (ДКО) Alexsej Markow im Interview

  1. Hat dies auf Muss MANN wissen rebloggt und kommentierte:
    Mann sieht doch ganz klar in seinen Augen, dass ist einer von Washington zum Terroristen erklärter Mensch. Diese bösen, bösen Kommunisten sind schon wieder da, wo die Nazis sie nicht brauchen können. Das regt die Faschos besonders auf.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s